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Das Selbstversorger-Jahr 2022: Ein Rückblick und Ausblick

  • Autorenbild: Michael
    Michael
  • 6. Feb. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Es ist wieder Winter und damit die Zeit gekommen, um zurück zu blicken auf das vergangene Jahr und das neue Jahr vorzubereiten. Selbstversorgung ist ein hohes Ziel, welches wir nie erreichen können und auch gar nicht erreichen wollen. Es bereitet einfach grosse Freude, vieles auszuprobieren und viele Dinge des täglichen Bedarfs selber herstellen zu können. Vieles habe ich im letzten Jahr umsetzen können. Vieles hat gut geklappt aber einiges ist auch ganz schön in die Hose gegangen.


Der Gemüsegarten


Bereits im Herbst 2021 habe ich eine Fläche von knapp 200qm Wiese umgegraben, Beete und Wege angelegt. Auf die Beete habe ich reichliche Pferdemist gegeben und sie dann mit einer Mulchfolie bis im Frühjahr abgedeckt. Das hat sehr gut funktioniert, die Pflanzen sind prächtig gediehen. Die Wege zwischen den Beeten waren ursprünglich noch mit einer Mulchfolie aus Plastik abgedeckt. Diese habe ich nach und nach entfernt und mit Jutesäcken und Hackschnitzel ersetzt.


Die Anzucht der Jungpflanzen war schwierig und wird auch dieses Jahr eine grosse Herausforderung. Leider habe ich keinen geeigneten kühlen und hellen Raum. Entweder sind die Räume in unserem Haus hell und warm oder kühl und dunkel. Beides ungeeignet zur Anzucht. Noch habe ich für dieses Problem keine gute Lösung gefunden und kann kaum Pflanzen sinnvoll vorziehen. Das meiste säe ich also direkt oder beginne erst im April mit der Anzucht.


Schon sehr bald im Frühjahr zeigte sich eine weitere Herausforderung: gefrässige Gartenbewohner! Die Schnecken machten sich über meine Salate und Karotten her und die Mäuse fanden die Pastinaken besonders lecker. Da ich kein Gift in meinem Garten einsetze, half gegen die Schnecken nur eines: Tägliches absammeln und schützend der Jungpflanzen mit Schneckenkragen. Doch erst als ich den ganzen Garten mit einem Schneckenzaun umgeben habe, habe ich die Schnecken in den Griff bekommen. Die Wühlmaus hingegen machte mir das Leben schwer. Ich hatte extra überall Pflanzen gepflanzt, welche Wühlmäuse vertreiben sollten: Steinklee, Wolfsmilch, Knoblauch, Tageten etc. Den Wühlmäusen war das egal. Auch die summenden "Wühlmaus-Vertreiber", welche man in den Boden steckt und die Mäuse durch Summen und Vibrationen vertreiben sollen, sind absolut nicht zu empfehlen. In die gefundenen Gänge habe ich jeweils unverdünnte, bestialisch stinkende Brennesseljauche gegeben. Alles ohne Erfolg. Schliesslich habe ich zur letzten Massnahme gegriffen: Mäusefallen. Wenige Tage später war mein Garten frei von Wühlmäusen. Bekämpft man die Wühlmäuse sofort beim ersten Anzeichen von Frass, lässt sich der Gemüsegarten gut durch das Jahr bringen.


Nachdem Schnecken und Wühlmäuse kein Problem mehr waren startete ich sehr gut ins erste Gemüsejahr. Mangold, Gurken, Bohnen, Lauch, Kopfsalat, Endivien, Zuckerhut, Kartoffeln, Weiss- und Rotkohl, Federkohl, Kohlrabi, Pastinaken, Karotten, Auberginen, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Zucchini gab es im Überfluss. Auch einige Kürbisse konnte ich ernten. Allerdings pflanzte sich sie auf einem Erdwall, welcher sich im Sommer aufgrund der starken Trockenheit als nicht ideal für die Kürbisse herausstellte.



Was in diese Jahr absolut kein Erfolg war, war das Wintergemüse. Mit der Anzucht von Brokkoli, Rosenkohl und Chinakohl habe ich viel zu spät begonnen, sodass sie vor dem Winter nicht mehr genug gross werden konnten. Den Spinat habe ich zu früh gesät, sodass er im warmen, sonnigen Oktober noch in die Blüte ging. Vom Nüsslisalat ist höchstens 20% gekeimt, da ich zu wenig vorsichtig in der Keimphase war. Zuckerhut und Endivien waren im sehr regnerischen September fast stetig nass und faulten vor sich hin. Da ich noch keine Möglichkeit hatte, um die Pflanzen mit einem Folientunnel vor dem Frost zu schützen, überlebten viele Pflanzen die ersten Frostnächte im Dezember nicht. Darunter ein Grossteil der Erbsenpflanzen und Ackerbohnen für die frühe Ernte im Frühjahr, viele Zuckerhüte und Endivien und auch einige Mangold-Pflanzen. Im Nächsten Jahr muss ich unbedingt die Anzucht- und Direktsaat-Termine optimieren, sowie die Pflanzen besser mit Folientunnel vor Nässe und Frost schützen.


Der Sommer war einmal mehr überdurchschnittlich trocken. Viele Wochen gab es keinen Regen. Trotzdem habe ich für meinen Gemüsegarten kein Leitungswasser benutzt, sondern ausschliesslich Regen- und Quellwasser.


Bäume und Sträucher

Zählt man wirklich alle Beeren-Sträucher und Bäume zusammen, habe ich im letzten Jahr rund 90 Sträucher und Bäume gepflanzt: Esskastanien, Quitten, Äpfel, Zwetschge, Kirsche, Saalweiden, Saskatoon Beeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Cassis-Beeren. Natürlich dauert das noch einige Jahre, bis eine grössere Ernte zu erwarten ist. Dank einigen bestehenden, älteren Bäumen und natürlich schnelltragenden Sträuchern, durften wir aber schon im letzten Jahr einiges an Obst ernten. Insbesondere Äpfel, Kirschen, Johannisbeeren, Cassis-Beeren und Himbeeren.


Die jungen Bäume und Sträucher habe ich zum Schutz vor den Wühlmäusen alle in ein selbstgebautes Wühlmausgitter gesetzt. Auch eine kleine Baumschule für Esskastanien habe ich angelegt. Diese werde ich in den nächsten Jahren veredeln und dann hoffentlich mithelfen, dass diese wunderbaren Bäume auch in der Nachbarschaft gedeihen.


Hühnerhaltung

Sehr viel Arbeit haben wir in den Hühnerauslauf und Hühnerstall gesteckt. Ein alter Hühnerstall war bereits in der Scheune vorhanden. Diesen mussten wir nur wieder etwas herrichten. Rund um den alten Apfel- und Kirschbaum haben wir einen grossen Hühnerauslauf von rund 300qm gebaut. Der Zaun um den Auslauf ist 1.8m hoch, 0.5m tief mit Gitter in den Boden gesichert und oben mit vier Stromlitzen versehen. Füchse und Marder machen uns keine Sorgen mehr. Unsere Befürchtungen bezüglich Angriffen aus der Luft wurden hingegen leider Wahrheit, als ein Habicht unsere Ilvy schlug. Seit diesem Vorfall ist der ganze Hühnerauslauf mit einem riesigen Netz überspannt und wir haben zahlreiche Bäume und Büsche in den Auslauf gepflanzt, welche den Hühnern in Zukunft mehr Schutz bieten sollen.


Zur Zeit leben vier schwedische Blumenhühner bei uns. Aber schon bald ziehen drei oder vier weitere Hennen ein.


Wassermanagement

Viel Arbeit und Planung habe ich auch in eine sinnvolle Lösung für die Bewässerung der vielen Pflanzen gesteckt. Unser Land befindet sich an einem Südhang und ist schon aus diesem Grund eher trocken. Dazu kommt, dass aufgrund der Klimaerwärmung die Sommer tendenziell extremer werden, eben auch teilweise extrem trocken.


Über Regenwassersammler können wir einen Teil des Regenwassers auffangen (ist noch deutlich ausbaufähig). Wesentlich wichtiger ist die Quellwasser-Leitung, welche wir vom Brunnen unserer netten Nachbarn zu uns legen durften. Über diese Leitung wird ein 1000l- IBC- Tank im Gemüsegarten gefüllt und vier weitere Tanks im Erdkeller. Bei Bedarf können nun die 4000l im Erdkeller über eine elektrische Wasserpumpe überallhin gepumpt werden. Selbst zu den Esskastanien-Bäumen hoch, welche bestimmt 20-30 Höhenmeter höher stehen.


Als eiserne Notreserve gibt es unter dem Haus eine alte Kläranlage. Diese ist seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb und wurde vollständig gereinigt. Die Kläranlage können wir als Zisterne nutzen. Sie fasst rund 16`000l Regenwasser.


Einkochen und Einmachen

Um im Winter nicht nur von Wintergemüse zu leben, welches man frisch aus dem Garten holen kann, habe ich über den ganzen Sommer hinweg vieles eingemacht und eingekocht. Ehrlich gesagt war ich dabei leider wenig erfolgreich, was absolut auf meine fehlende Erfahrung zurückzuführen ist.


Holunder-Sirup: In etwa zwei Drittel der Flaschen ist ein Pilz gewachsen. Das ist mir bis jetzt ein Rätsel. Die Flaschen habe ich mit heissem Wasser ausgekocht und den stark zuckerhaltigen Sirup heiss eingefüllt. Wenn jemand einen Tipp für mich hat, wie ich es dieses Jahr besser machen kann, gerne!

Sauerkraut: Das ganze Sauerkraut ist verschimmelt. Vermutlich war das Sauerkraut nicht bis oben mit Flüssigkeit bedeckt, sodass es oben angefangen hat zu schimmeln. Mein Nachbar macht super leckeres Sauerkraut, das muss ich ihm unbedingt abschauen!

Apfelmus: Anstatt einzukochen habe ich es nur heiss abgefüllt, was in einem unschönen Gärprozess geendet hat. Nun habe ich jedoch einen passenden Dampfkochtopf und werde alles, was nicht in Essig oder Zucker schwimmt, einkochen.


Gut funktioniert haben die eingelegten Zucchini, die Tomaten- Saucen, die Quitten-Konfitüre, die grünen Bohnen und das Quitten-Mus. Noch jetzt im Februar ist der Keller voll davon.


Wollverarbeitung


Im Winter gibt es im Garten nicht mehr so viel zu tun. Die Tage


sind kürzer und man verbringt mehr Zeit drinnen. Eine ideale Zeit, um sich verschiedenem Handwerk zu widmen.


Dieses Jahr habe ich damit begonnen, mich intensiver mit der Wollverarbeitung auseinander zu setzen. Auf dem alten Spinnrad meiner Grossmutter versuche ich brauchbares Garn zu spinnen und auf der Strickmaschine, Modell von 1941, ebenfalls von meiner Grossmutter, stricke ich mir eine lange Unterhose. Auch habe ich im letzten Jahr einen dicken, warmen Pullover gestrickt. Wolle ist ein wunderbares Material und die Arbeit mit Wolle ein sehr schöner Zeitvertreib in dunklen Wintertagen vor dem Holzofen.



Ausblick 2023

Folgende Projekte habe ich für das Jahr 2023 ins Auge gefasst:


  • Anbau-Fläche verdoppeln: Etwas weiter weg vom Haus entstehen nochmal einige Beete für den Anbau von Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Mais, Kürbis, Kichererbsen und Linsen.

  • Folientunnel: Dieses Jahr werde ich mehr mit Folientunneln arbeiten, um die Kulturen vor zu viel Sonne, Trockenheit, Regen, Hagel und Frost zu schützen.

  • Gewinnung von Saatgut: Die Gewinnung und Aufbewahrung von eigenem Saatgut ist ein weiteres Ziel von mir.

  • Wollverarbeitung: Gerne möchte ich lernen und ausprobieren, wie man Rohwolle wäscht und kardet um diese im Winter weitverarbeiten zu können.

Im Jahr 2022 habe ich viel gelernt und nun vieles im Kopf, was ich in diesem Jahr besser machen möchte.


 
 
 

2 Kommentare


Gast
08. Feb. 2023

Was für ein toller Garten. Sehr liebevoll dokumentiert und inspirierend geschrieben.

Liebe Grüsse joscha

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Michael
Michael
10. Feb. 2023
Antwort an

Lieber Joscha, vielen Dank 😊. Nicht zuletzt ein schöner Garten dank deinen Josta-, Stachel-, Cassis- und Erdbeeren, die bein uns ein neues zuhause finden durften 👍🙏

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