2023: Das Jahr der Hülsenfrüchte - Ein Rückblick
- Michael

- 2. Jan. 2024
- 8 Min. Lesezeit
Bereits den dritten Winter verbringen wir in unserem Bauernhaus in Bottenwil. Rund um das Haus wächst und gedeiht der Gemüse- und Obstgarten und bringt uns Jahr für Jahr mehr Erträge.
Auch dieses Jahr haben wir viel gearbeitet und es ist viel neues entstanden. Was einst nichts weiter als eine Wiese war, ist mehr und mehr erfüllt von Leben und einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren.

Im Grossen und Ganzen war es eher ein schwieriges Jahr für Gemüse und Obst. Bis Mitte Mai war es sehr regnerisch und vergleichsweise eher kalt. Gefühlt war das Gemüse etwa einen Monat hinterher im Vergleich zum Vorjahr. Die Schnecken konnten sich bei dem nassen, kühlen Wetter bestens vermehren. Für die Bestäubung der Obstbäume war es zu regnerisch, sodass die Bienen nicht viel fliegen konnten. Die Obsternte im Herbst war daher sehr gering. Im April kam es noch zweimal zu einem Hagelschlag, aber das meiste Gemüse konnte sich gut erholen. Ab Mitte Mai wurde es dann schlagartig trocken und warm. Für manches Gemüse zu trocken. Dank unserem Quellwasser-Speicher konnten wir aber die Gemüsepflanzen gut durchbringen.
Der Gemüsegarten
Im Jahr 2022 habe ich die Fläche für den Anbau von Gemüse verdoppelt. Oberhalb des Hühnergeheges sind neun neue Beete à je sieben Meter entstanden. Auf der unteren Gemüsefläche habe ich ebenfalls noch ein weiteres Beet mit ca. 18m angelegt. Die Gesamtlänge der Beete beträgt nun 141m.

Als Methode um neue Beete anzulegen hat sich für mich das Umstechen im Oktober und abdecken mit einer Mulchfolie oder einer dicken Schicht Heu bewährt. Im Idealfall wird das Beet bereits im Frühjahr abgedeckt. Dadurch ist die Grasnarbe bereits im Oktober abgestorben und von den Bodenlebewesen abgebaut worden. Der Boden ist nun zum Umstecken ideal vorbereitet. Die Beete habe ich wiederum mit Fichtenstämmen umrahmt. Die Wege wurden mit Jutesäcken und mit Hackschnitzel und / oder Heu belegt.

Im Jahr 2022 hatte ich grosse Probleme mit der Vorzucht von Setzlingen im Haus. Dieses Jahr hat es sehr gut funktioniert, obwohl ich nach wie vor mit der Lösung nicht ganz zufrieden bin. Im Haus besitzen wir keinen kühlen, hellen Raum, in welchem man ab März Pflanzen vorziehen könnte. Dieses Jahr habe ich daher auf Planzenlampen gesetzt und mir vier grosse Paneele gekauft (je 120x40cm, 40Watt). Damit bin ich natürlich für die Anzucht auf Strom angewiesen, was ich nicht besonders mag. Aber es hat sehr gut geklappt. Die Pflänzchen sind unter den Lampen gut gediehen. Ich hatte sogar einen grossen Überschuss an Setzlingen und werde künftig wohl nicht mehr alle Paneele einsetzen müssen.
Dieses Gartenjahr habe ich das Jahr der Hülsenfrüchte genannt. Zum ersten Mal habe ich eine grössere Menge an Hülsenfrüchten angebaut und ich bin begeistert. Als Schwachzehrer füllen sie im Beetplan eine Nische aus, welche bisher nur schwach besetzt war. Sie liefern jede Menge Proteine und reichern den Boden mit Stickstoff an. Von nun an werden Hülsenfrüchte viel stärker Teil meines Gemüsegartens sein.
Insbesondere in Erbsen habe ich mich verliebt. Diese Pflanzen kann man bereits ab März ins Freiland säen. Sie keimen gut und tolerieren auch Frostnächte und die üblichen Wintereinbrüche im März / April. Ab Mai legen sie dann so richtig los und liefern bereits im Juli eine beachtliche Ernte. Kefen kann man ab Juni laufend pflücken. Nach der Ernte Mitte Juli ist das Beet wieder frei. Ich nutze es dann für den Anbau von Winterkohl.

Neben den Erbsen habe ich auch den Anbau von Linsen, Ackerbohnen, Kichererbsen, Lupinen und natürlich Busch- und Stangenbohnen versucht.
Die Kichererbsen sind trotz mehrfacher Aussaat sehr schlecht gekeimt. Allenfalls war es für die Keimung zu trocken. Die wenigen Pflanzen haben sich zwar gut entwickelt, kurz vor der Erntereife gab es jedoch drei Wochen viel Regen und sowohl die Kichererbsen als auch die Linsen sind verpilzt und gaben kaum mehr eine brauchbare Ernte. Die Lupinen haben mich positiv überrascht. Sie sind gut gekeimt, gut gewachsen und hielten sowohl Trockenheit als auch Nässe gut aus. Die Ertragsmenge hat mich aber nicht besonders überzeugt. Die Ackerbohnen litten stark unter den Läusen und waren weder geschmacklich noch betreffend der Erntemenge nennenswert. Die Busch- und Stangenbohnen hatten dieses Jahr auch Mühe bei der Keimung. Dennoch sind genügend Pflanzen gekeimt und, wie bei Bohnen gewohnt, gab es eine gute Ernte.


Trotz einigen Ernteausfällen zählen Hülsenfrüchte ab sofort zu meinen Lieblingspflanzen im Garten. Interessant in diesem Zusammenhang ist euch eine aktuelle Studie der Universität Kiel zur Ernährung früher Megasiedlungen um 4000 v. Chr. in der heutigen Ukraine (Studie, Artikel). Diese Menschen ernährten sich zu rund 50% von Hülsenfrüchten (insbesondere Erbsen), 40% von Getreide und 10% von Fleisch. Die Studie legt nahe, dass Viehwirtschaft betrieben wurde, um die mehrheitlich pflanzliche Ernährung der Menschen zu sichern. Die Tiere wurden als Arbeitstiere genutzt um die Felder zu bestellen, lieferten wertvollen Dünger und ernährten sich von den Resten der Erbsen- und Getreideernte. Fleisch gab es nur, wenn überschüssige Tiere geschlachtet werden mussten. Eine solche Landwirtschaft ist sowohl aus ökologischer als auch moralischer Sicht sinnvoll, ganz im Gegenteil zur modernen Landwirtschaft.
Sehr erfolgreich waren in diesem Jahr auch die Kürbisse. Ich habe von sechs Pflanzen 22 Muskat-Kürbisse geerntet. Teilweise waren sie riesig. Auch die Ernte von Mangold, Krautstiel, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Kopfsalat, Pastinaken, Tomaten, Kartoffeln, Zuckerhut, Kohlrabi, Gurken, Zucchini, Rot- und Weisskohl, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl und Randen war erfolgreich.

Für den geschützten Anbau von Tomaten habe ich in neues Hochbeet gebaut. Den grössten Ertrag haben aber die Freilandtomaten (Primabella) erbracht, welche ich auf c. 5m angebaut habe.

In diesem Jahr habe ich neu alle Kohlpflanzen unter einem Insektenschutznetz angepflanzt. Wie erhofft waren die Pflanzen kaum von weissen Fliegen und Kohlweisslingen befallen.
Zu Schutz vor Hagel und zu viel Regen habe ich auch einige Kulturen in einem Folientunnel angebaut. Dazu habe ich dicke HDPE-Rohre zugeschnitten und mittels ebenfalls zugeschnittenen Gartenstäben im Boden verankert. Der Vorteil an diesem System ist neben dem raschen Auf- und Abbau, dass man die Höhe des Folientunnels durch die Länge der Gartenstäbe super anpassen kann. Es hat sich jedoch auch gezeigt, dass die Konstruktion den starken Stürmen im Sommer und Herbst nicht standhält. Vermutlich werde ich die Folientunnel nur noch im Frühling einsetzen.

Bis Ende Oktober war es noch warm und sonnig. Im November und Dezember hat es dann sehr viel geregnet. Genau wie im letzten Jahr sind mir zahlreiche Endivien verfault. Schlimmer als im letzten Jahr waren die Mäuse. Bis im Oktober konnte ich die gefrässigen Nachbarn gut in Schach halten. Doch im November und Dezember haben sie sich unkontrolliert über die verbliebenen Pflanzen im Garten hergemacht. Zuckerhut, Mangold, Krautstiel, teilweise Grünkohl und Randen wurden in grosser Zahl gefressen. Für das nächste Gartenjahr habe ich mir vorgenommen die Pflanzen im Oktober mit der Wurzel auszustechen und in Kisten im Keller zu lagern. Dort sind sie geschützt vor den Mäusen und dem vielen Regen.
Was dieses Jahr erneut nicht funktioniert hat ist Spinat, Feldsalat und Karotten. Spinat und Feldsalat ist einfach nicht gekeimt. Die Karotten wurden wiederum kurz nach der Keimung von den Schnecken gefressen. Trotz allem werde ich diese Kulturen nicht aufgeben und wieder einen Versuch starten.
Ein besonderer Erfolg war auch die Chayote. Diese relativ neue Gemüsepflanze hat zwar erst ab August so richtig losgelegt, von September bis Oktober konnte ich aber rund 30 Stück der faustgrossen grünen Früchte ernten. Ein Grossteil davon lagere ich im Keller, wo diese wie erhofft frisch und geniessbar bleiben.
Einkochen und Einmachen
Wesentlich erfolgreicher war dieses Jahr auch das Haltbarmachen der Ernte.
Von den Prima-Bella Tomaten haben wir rund 25kg Tomatensauce eingekocht. Noch bis in den Oktober hinein konnten wir die zahlreichen Früchte ernten.
Aus dem Weisskohl habe ich in einem Gärtopf Sauerkraut gemacht. Der Kohl wurde fein geraffelt und zusammen mit Äpfeln und etwas Dill, Wacholderbeeren und Kümmel mit einer 2%igen Salzlauge und etwas Weisswein angesetzt. Den Gärtopf habe ich gut mit heissem Wasser ausgewaschen und mit Soda gereinigt. Das Resultat war das erste selbsthergestellte, geniessbare Sauerkraut.
Neben dem Sauerkraut haben wir viel Quittenkonfi, Quittenkompot und Rotkraut eingemacht. Im Vergleich zum Jahr 2022 hat nun alles gut funktioniert, was sicherlich daran liegt, dass ich alles gründlich im Schnellkochtopf eingekocht habe.
Bäume und Sträucher

Zum ersten Mal seit der Pflanzung vor zwei Jahren konnten wir eine nennenswerte Menge an Johannis, Erd- und Himbeeren ernten. Die Pflanzen sind gut angewachsen und ich erwarte steigende Erträge in den kommenden Jahren.
Die Stachelbeeren kämpften stark mit einer Pilzerkrankung, welche zum Abwurf der Blätter bereits ab Juni führt. Im nächsten Jahr werde ich die Pflanzen mindestens einmal pro Woche mit Schachtelhalm-Extrakt einsprühen, sobald die ersten Blätter austreiben. Die Kieselsäure im Schachtelhalme stärkt die Pflanzen gegen die Pilze.
Die Esskastanien sind sehr gut angewachsen und haben die ersten Früchte angesetzt. Leider entwickelten sich aber noch keine Maronen. Vermutlich waren die Früchte nicht bestäubt.
Grosse Schwierigkeiten hatte ich mit einem extremen Befall von Läusen an einem jungen Apfelbaum und einem jungen Kirschbaum. Der Befall war so extrem, dass die jungen Leitäste teilweise abgestorben sind. Ich werde kommenden Februar beide Bäumchen radikal zurückschneiden müssen und versuchen eine neue Krone zu bilden. Die natürlichen Feinde kamen leider viel zu spät und konnten auch kaum etwas ausrichten gegen die unzähligen Läuse. Daraus habe ich gelernt, dass ich die Bäume im Frühjahr regelmässig kontrollieren muss. Vorsorglich werde ich die jungen, anfälligen Bäume mit Neem-Öl behandeln und beim geringsten Befall mit Läusen diese sofort mit verdünnter Schmierseife behandeln.

Auch in diesem Jahr habe ich noch einige wenige weitere Bäume und Büsche gepflanzt. Neu dazugekommen sind zwei Apfelbäume, Brombeeren und zwei Feigenbäume.
Eine grosse Freude sind die beiden Quittenbäume. Sie haben neue Äste von über einem Meter gebildet und deutlich an Stammumfang zugenommen. Auch einer der beiden Pfirsich-Bäume hat ein beachtliches Wachstum hingelegt. In einem Jahr ist über über 2m gewachsen und hat eine schöne Krone ausgebildet. Man glaubt es kaum, ist aber wahr.

Hühnerhaltung
Dank dem Schutznetz, welches wir im Herbst 2022 über den ganzen Auslauf gespannt haben, hatten wir keine weiteren Verluste. Die Hühner sind nun auch sicher vor Angriffen aus der Luft. Im Frühjahr haben wir unsere bestehende Hühnergruppe um vier weitere Hennen auf acht Tiere vergrössert. Dazugekommen sind Silja, Sina, Leya und Yara. Fast das ganze Jahr versorgen sie uns mit mehr Eiern, als wir essen können. Nur während ganz kalten Wintertagen und während der Mauser gibt es keine Eier.
Ausblick 2024
Tatsächlich gibt es zur Zeit keine grösseren Projekte, welche im Jahr 2024 umgesetzt werden sollen. Auf meiner Wunschliste stehen aber noch einige mittel- und langfristige Projekte und Ideen.
Mit der aktuellen Anbaufläche bin ich zufrieden und werde sie zur Zeit nicht weiter ausbauen. Der Gemüsegarten wirft mehr Ernte ab, als wir für uns selber benötigen. Aber einiges kann und werden wir noch optimieren. Auch mit den gepflanzten Bäumen und Sträuchern bin ich soweit zufrieden. Zwar haben wir noch nicht genügend eigene Obsternte. Das liegt aber vor Allem daran, dass wir die ganzen Bäume und Sträucher neu gepflanzt haben. Es dauert einige Jahre, bis wir genug Ernte haben werden.
In den kommenden Jahren werden wir den Hühnerstall vergrössern, um unsere Hühnergruppe auf 10 - 20 Tiere erweitern zu können.
Ein weiteres Projekt ist die Vorbereitung für die Haltung von Alpakas. Wir möchten aber frühestens in zwei oder drei Jahren Alpakas anschaffen. Dafür müssen wir den Stall entsprechend umbauen, einen Auslauf vorbereiten und genügend Weidefläche dauerhaft anbieten können. Ideal wäre es, wenn wir dafür noch ein wenig mehr Weideland dazukaufen oder pachten können. Unser eigenes Weideland würde zwar die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. Jedoch möchten wir verschiedene Weiden anbieten können, damit die Alpakas drei bis viermal pro Jahr die Weide wechseln und wir daneben noch genügend eigenes Heu ernten können.
Weitere Themen, welche mich nach wie vor sehr interessieren sind die Wollverarbeitung, die Herstellung von eigenem Saatgut, die Herstellung von pflanzlichen Heilmitteln und die Bienenhaltung. Auch einen Waldgarten würde ich gerne einmal anlegen, wenn wir genügend Land bewirtschaften dürfen.
Mit vielen Ideen und viel Begeisterung an der Arbeit mit und für das Land freuen wir uns auf all die Jahre, welche noch kommen werden.



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